Bewusste, zirkuläre Atemtechniken, wie zum Beispiel Holotropes Atmen oder Conscious Connected Breathwork, können veränderte Bewusstseinszustände hervorrufen, die den Effekten psychedelischer Substanzen ähneln. Dies haben Forschende nun im Rahmen einer randomisierten Studie belegt, die in nature communications psychology veröffentlicht worden ist.
Als Zielgrößen wurden die Messung des CO²-Gehaltes der ausgeatmeten Atemluft, die Messung der Herzfrequenz sowie die subjektiven Erfahrungen der Proband:innen während der Sitzungen herangezogen. Im Rahmen der mithilfe der Atemtechniken erzeugten Hyperventilation zeigte sich eine signifikante Abnahme des end-tidalen CO²-Wertes, ein Parameter, dessen zerebral-vasokonstriktorischen Effekte das Erleben veränderter Bewusstseinszustände (ASCs) beeinflussen kann. So konnte auch tatsächlich das Auftreten von ASCs nachgewiesen werden. Sie glichen dabei den Bewusstseinszuständen, die durch psychedelische Substanzen hervorgerufen werden und waren hinsichtlich ihrer psychologischen und physiologischen Effekte so intensiv, dass sie zu einer Verbesserung der Lebensqualität und Reduktion zum Beispiel depressiver Symptome beitragen könnten.
Eine weitere, wichtige Erkenntnis: In Bezug auf die überprüften Parameter unterschieden sich die angewandten Atemtechniken nicht, was auf übergeordnete Wirkprinzipien der Atemarbeit hindeuten könnte.
Die Erkenntnisse sind relevant, weil psychedelische Substanzen etwa bei der Behandlung von Angststörungen, Depressionen oder Posttraumatischen Belastungsstörungen zwar erfolgversprechende Effekte bieten könnten, jedoch aufgrund von Verboten oder Zulassungsbeschränkungen weitreichend nicht für die Therapie zur Verfügung stehen.
Eine heilende Wirkung haben psychedelische Substanzen, wie Psilocybin, LSD oder das dissoziative Anästhetikum Ketamin im Falle der genannten Indikationen nicht. Sie können vielmehr als eine Art „Türöffner“ zu tieferliegenden psychologischen Störungen oder Traumata dienen. Denn sie verändern die Wahrnehmung, Emotionen und das Bewusstsein so, dass diese tieferen Ebenen therapeutisch zugänglich und behandelbar werden.
Entsprechend der Studienergebnisse könnte der gezielte Einsatz von Atemtechniken als nicht-pharmakologische Alternative zu psychedelischen Substanzen unmittelbar dazu beitragen, die therapeutisch gewünschten, alternativen Bewusstseinszustände zu erzielen und diesen wichtigen therapeutischen Mehrwert direkt und frei von Zulassungsbeschränkungen bei der Behandlung zahlreicher psychiatrischer Erkrankungen zu nutzen.
Hier geht’s zur Originalstudie
Zirkuläre Atemtechniken und Psychedelika, wie zum Beispiel Psilocybin oder LSD, zeigen vergleichbare Effekte hinsichtlich der Auslösung veränderter Bewusstseinszustände, unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihren Wirkmechanismen: Während psychedelische Substanzen in ihrer Funktion als Neurotransmitter direkte Bindungen an den Serotoninrezeptoren, insbesondere 5-HT2A, eingehen, stellt die Atemarbeit eine indirekte Beeinflussung durch Nervensystemreaktionen dar. Atemtechniken wirken über die Reduktion des end-tidalen CO²-Wertes. Hinweise auf strukturelle Veränderungen, wie zum Beispiel der Neuroplastizität, sind hingegen begrenzt. Während Psychedelische Substanzen den CO²-Spiegel nicht direkt beeinflussen, zeigen sie in Bezug auf strukturelle Aspekte förderliche Effekte, nicht nur in Bezug auf die Neuroplastizität, sondern auch bezüglich neuronaler Neubildungen. Zirkuläre Atemtechniken und Psychedelika unterscheiden sich auch durch ihre Wirkdauer: Während diese bei psychedelischen Substanzen zwischen 4 und 12 Stunden anhalten kann, lässt sich der Wirkung zirkulärer Atemtechniken nur kurzfristig aufrechterhalten – nach ein bis drei Stunden endet der Effekt.