Unser Gehirn ist keine „Next-word-predicition“-Maschine, sondern trifft strukturgebundene Vorhersagen, wie eine Wortfolge weitergeht. Die Syntax des Gesagten begrenzt dabei aktiv, wann und wie stark die Vorhersage ausfällt.
Wie gut einzelne Wörter innerhalb des Sprachverstehens verarbeitet werden, hängt stark davon ab, wie effizient sie das Gehirn aus seinem bisherigen Zusammenhang heraus antizipieren kann. Eine gängige Hypothese dazu ist es, dass das Gehirn kommende Wörter aktiv vorhersagt. Da dem menschlichen Arbeitsgedächtnis jedoch naturgemäß nur begrenzte Verarbeitungskapazitäten zur Verfügung stehen, vermuteten Forschende des ESI, der New York University und der Zhejiang University, Hangzhou, dass das Gehirn einen effizienteren Mechanismus nutzt, um Informationen zu organisieren.
Ein möglicher Mechanismus könnte es demnach sein, dass das Gehirn Sprache nicht Wort für Wort verarbeitet, sondern zu komplexeren, hierarchisch organisierten Einheiten, sogenannten Konstituenten, zusammenfasst. Daraus leiteten die Wissenschaftler eine weitere, zentrale Hypothese ab, nämlich die Annahme, Vorhersagen seien innerhalb solcher Konstituenten auch genauer als über ihre Grenzen hinweg und konnten dies auch mithilfe von Experimenten zur Gehirnaktivität und des Verhaltens nachweisen.
Das Gehirn findet ihren Ergebnissen zufolge einen Kompromiss, in dem es das Sprachverstehen nicht ausschließlich auf seine Vorsagegenauigkeit hin optimiert, sondern den „Aufwand“ für die Effizienz der Vorhersagequalität mit den verfügbaren kognitiven Ressourcen ausbalanciert.
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